Schlagwort-Archive: Leitmotivation

Menschenklappern

Die Augen hören,
Traumlos offen,
Menschenklappern
Wie von weit.

Durch Glas und Dunkel
Flimmern schattig,
Schallgestalten,
Tief verrauscht.

Sie werfen Lichter,
Klirren Worte,
Und ihre dunklen Glieder hallen
Nachtwärts ein und aus.

 

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Kommt und Seht!

Ein schwarzer Fleck an der Wand,
Der dort nicht hingehört.
An einem Haus,
An der Straße.

Immer komme ich daran vorbei.
Der Fleck ist den ganzen Weg.
Bevor ich ihn sehe
Und noch danach.

Irgendwann
Hat man das Haus gestrichen.
Viele schwere Eimer,
Schwere weiße Farbe.

Das Haus war dann wie neu.
Wenn der Himmel blau war,
Hat die weiße Wand geleuchtet,
Im hellen Licht.

Dann habe ich gesehen,
Kam langsam
Durch die weiße Farbe,
Der schwarze Fleck zurück.

Man hat dann einen Busch gepflanzt.
Dicht an der Wand,
Vor dem schwarzen Fleck.
Der war dann versteckt.

Ich ging oft daran vorbei
An dem Haus und an dem Busch
Der wuchs schön und rund
Vor der weißen Wand.

Aber dann war der Sommer vorbei,
Da wurde es kalt.
Alle Blätter fielen.
Und der Fleck war wieder da.

 

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Wilhelm Raabe

Die ewige Illusion, dass das Leben noch vor einem liege. Das Leben liegt immer hinter einem.

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Verlorene Worte

Nach all den Jahren ohne dich stehe ich noch immer ratlos vor meiner Erinnerung. Sie ist still geworden. Was bleibt sind ein paar vereinzelte Worte, vielleicht ein ganzer Satz. Dabei lag damals doch so viel Gewicht auf den Worten. Stundenlange Gespräche, über uns und unsere Zukunft, die nie war. Deine Worte sind verstummt und für immer verloren.
Doch du bist in Gedanken noch bei mir. Ich sehe dein Gesicht von der Seite. Dein gesenkter Blick, während du mit deinen Lippen lautlose Worte formst, bis du dann auf einmal zu mir aufsiehst, mir erst ins eine und dann ins andere Auge blickend. Deine leicht hochgezogene Augenbraue kündigt ein Lächeln an – und da ist es auch schon! Ganz leicht, und schüchtern, doch so ewigkeitsschwer.
Ich habe deine Stimme schon vor vielen Jahren verloren. Wie sie wohl klang?
Wir stehen auf einer Brücke und dein Atem steigt in einen kalten Wintermorgen.
Du hast mich einmal zum Bahnhof gebracht und ich habe gesagt, es läge an dir, was aus uns wird und du hast mich gefragt, was ich damit meinte. Ich weiss es nicht mehr. Doch wir sitzen noch immer im Auto, auf dem leeren Parkplatz und warten.
Ein Spaziergang durch einen Wald. Alles ist in ein warmes Licht getaucht. Wir lachen viel. Worüber? An einer Weggabelung bleiben wir stehen und umarmen uns. Ich rieche dein Haar. Jeder Wald riecht nun danach.
Wir sind in deiner alten Wohnung und streiten. Es wird laut und irgendwann laufe ich davon. Doch jetzt ist alles still. Ich streiche dir die Tränen aus dem Gesicht und halte dich in meinen leeren Händen.
Die Erinnerung lässt mich nicht los und ich versuche, sie in Worte zu fassen, obwohl es darauf doch gar nicht ankommt.

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August Stramm – Feuertaufe

Dichter: August Stramm
Gedicht: Feuertaufe
Entstehungsjahr: 1914/15
Gedichtband: Tropfblut
Vertonung: Leitmotivation

Der Körper schrumpft den weiten Rock
Der Kopf verkriecht die Beine
Erschrecken
Würgt die Flinte
Ängste
Knattern
Knattern schrillen
Knattern hieben
Knattern stolpern
Knattern
Übertaumeln
Gelle
Wut.
Der Blick
Spitzt
Zisch
Die Hände spannen Klaren.
Das Trotzen ladet.
Wollen äugt
Und
Stahler Blick
Schnellt
Streck
Das
Schicksal.

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Gottfried Benn: Reisen

Meinen Sie Zürich zum Beispiel
sei eine tiefere Stadt,
wo man Wunder und Weihen
immer als Inhalt hat?

Meinen Sie, aus Habana,
weiß und hibiskusrot,
bräche ein ewiges Manna
für Ihre Wüstennot?

Bahnhofstraßen und Rueen,
Boulevards, Lidos, Laan –
selbst auf den Fifth Avenueen
fällt Sie die Leere an –

ach, vergeblich das Fahren!
Spät erst erfahren Sie sich:
bleiben und stille bewahren
das sich umgrenzende Ich.

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Der Friedhof ist ein Trümmerfeld

Der Friedhof ist ein Trümmerfeld. Särge und Leichen liegen verstreut. Sie sind noch einmal getötet worden.

Erich Maria Remarque, Im Westen nichts Neues, 1929

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True places

It is not down in any map; true places never are.

Herman Melville, Moby Dick, 1851

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Ich lerne sehen

Ich lerne sehen. Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer zu Ende war. Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wußte. Alles geht jetzt dorthin. Ich weiß nicht, was dort geschieht.

Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, 1910

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August Stramm – Urtod

Dichter: August Stramm
Gedicht: Urtod
Entstehungsjahr: 1914/15
Gedichtband: Tropfblut
Vertonung: Leitmotivation

Raum
Zeit
Raum
Wegen
Regen
Richten
Raum
Zeit
Raum
Dehnen
Einen
Mehren
Raum
Zeit
Raum
Kehren
Wehren
Recken
Raum
Zeit
Raum
Ringen
Werfen
Würgen
Raum
Zeit
Raum
Fallen
Sinken
Stürzen
Raum
Zeit
Raum
Wirbeln
Raum
Zeit
Raum
Wirren
Raum
Zeit
Raum
Flirren
Raum
Zeit
Raum
Irren
Nichts.

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