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Am Ende der Straße

Meiner Mutter zum 70. Geburtstag

Am Ende des alten Dorfes
enden die Straßen im Nichts.
Eine Reihe schwacher Laternen,
dazwischen das Ende des Lichts.

Durch Brokstedt fahren die Züge
schneller als anderswo.
Im Juli schien zweimal die Sonne,
die Bauern ernten das Stroh.

Da drüben liegen die Toten,
gleich hinter dem lauten Tor.
Zwischen den spitzen Büschen,
Sieht ein hölzerner Jesus hervor.

Nun hängt er im Steinburger Regen,
Golgota war warm und hell.
Zwei Frauen haken die Gräber,
ich höre Hundegebell.

Ein grauer Himmel steht leise,
die meisten Menschen sind alt.
Es fallen die nassen Blätter,
und meine Hände sind kalt.

Zwei Augen auf einem Fahrrad
kommen schweigend auf mich zu.
Die Fenster spiegeln die Leere,
und irgendwo muht eine Kuh.

Ich taste mich langsam weiter,
ein toter Dichter weist den Weg.
Der Nebel wird immer stärker,
ein Auto parkt etwas schräg.

Die Mütter werden älter,
alle Kinder sagen adé.
Und kommen sie einmal wieder,
waten sie durch matschigen Schnee.

Am Ende der Straße der Anfang,
gleich hinter dem roten Haus.
Da ist die Wärme, die Sonne –
und ihr Licht geht niemals aus.

 

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