Schlagwort-Archive: Gedicht

Gottfried Benn: Reisen

Meinen Sie Zürich zum Beispiel
sei eine tiefere Stadt,
wo man Wunder und Weihen
immer als Inhalt hat?

Meinen Sie, aus Habana,
weiß und hibiskusrot,
bräche ein ewiges Manna
für Ihre Wüstennot?

Bahnhofstraßen und Rueen,
Boulevards, Lidos, Laan –
selbst auf den Fifth Avenueen
fällt Sie die Leere an –

ach, vergeblich das Fahren!
Spät erst erfahren Sie sich:
bleiben und stille bewahren
das sich umgrenzende Ich.

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August Stramm – Urtod

Dichter: August Stramm
Gedicht: Urtod
Entstehungsjahr: 1914/15
Gedichtband: Tropfblut
Vertonung: Leitmotivation

Raum
Zeit
Raum
Wegen
Regen
Richten
Raum
Zeit
Raum
Dehnen
Einen
Mehren
Raum
Zeit
Raum
Kehren
Wehren
Recken
Raum
Zeit
Raum
Ringen
Werfen
Würgen
Raum
Zeit
Raum
Fallen
Sinken
Stürzen
Raum
Zeit
Raum
Wirbeln
Raum
Zeit
Raum
Wirren
Raum
Zeit
Raum
Flirren
Raum
Zeit
Raum
Irren
Nichts.

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August Stramm – Siede

Dichter: August Stramm
Gedicht: Siede
Entstehungsjahr: 1914/15
Gedichtband: Du. Liebesgedichte
Vertonung: Leitmotivation

Meine Schwäche hält sich mühsam
An den eigenen Händen
Mit meinen Kräften
Spielen deine Knöchel
Fangeball!
In deinem Schreiten knistert
Hin
Mein Denken
Und
Dir im Auggrund
Stirbt
Mein letztes Will!
Dein Hauch zerweht mich
Schreivoll in Verlangen
Kühl
Kränzt dein Tändeln
In das Haar
Sich
Lächelnd
Meine Qual!

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Gravitation

Noch einmal auf Kreisen der alten Gewalt,
Weg ohne Ränder, keine Rast und kein Halt.
So schlägst du deine stille Schlacht –
Lichtwende, Leere, Anbruch der Nacht.

Wo sich die Horizonte schneiden,
und sich deine Blicke weiden,
da liegt dein Traum aus Flucht und Flug,
da ist die Zeit, die dich nicht trug.

Erhebe den Kopf und senke die Lider –
alles was war, ist und kommt wieder –
die Zeiten, die Weiten – sie sind hier,
denn du bist das Leben und der Traum ist in dir.

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1946

Im Keller steht ein Fahrrad
Das ist zu groß
In der Einfahrt liegen Ziegel
Staub weht im Wind
Die Hose trägt ein Loch
Mutter hat es versteckt
Unter einem Flicken
Steht sie am Fenster
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August Stramm – Krieg

Dichter: August Stramm
Gedicht: Krieg
Entstehungsjahr: 1914/15
Gedichtband: Tropfblut
Vertonung: Leitmotivation

Wehe wühlt
Harren starrt entsetzt
Kreißen schüttert
Bären spannt die Glieder
Die Stunde blutet
Frage hebt das Auge
Die Zeit gebärt
Erschöpfung
Jüngt
Der
Tod.

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Fading Colors

Fallen in water,
surrounded by fears.
The world behind glass,
no one sees your tears.

Can’t close your eyes,
it’s not what it seems.
A day and a night,
no one hears your screams.

Turn on the light,
for one last show.
The colors are fading,
where did they go?

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Am Ende der Straße

Meiner Mutter zum 70. Geburtstag

Am Ende des alten Dorfes
enden die Straßen im Nichts.
Eine Reihe schwacher Laternen,
dazwischen das Ende des Lichts.

Durch Brokstedt fahren die Züge
schneller als anderswo.
Im Juli schien zweimal die Sonne,
die Bauern ernten das Stroh.

Da drüben liegen die Toten,
gleich hinter dem lauten Tor.
Zwischen den spitzen Büschen,
Sieht ein hölzerner Jesus hervor.

Nun hängt er im Steinburger Regen,
Golgota war warm und hell.
Zwei Frauen haken die Gräber,
ich höre Hundegebell.

Ein grauer Himmel steht leise,
die meisten Menschen sind alt.
Es fallen die nassen Blätter,
und meine Hände sind kalt.

Zwei Augen auf einem Fahrrad
kommen schweigend auf mich zu.
Die Fenster spiegeln die Leere,
und irgendwo muht eine Kuh.

Ich taste mich langsam weiter,
ein toter Dichter weist den Weg.
Der Nebel wird immer stärker,
ein Auto parkt etwas schräg.

Die Mütter werden älter,
alle Kinder sagen adé.
Und kommen sie einmal wieder,
waten sie durch matschigen Schnee.

Am Ende der Straße der Anfang,
gleich hinter dem roten Haus.
Da ist die Wärme, die Sonne –
und ihr Licht geht niemals aus.

 

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Dunkler Ort

Du suchst an dunklen Orten,
die das Leben längst vergaß,
die Einsamkeit zu finden,
die ein Toter einst besaß.

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Wege Risse

Wege Risse
Schritte Schleichen
Felder Rascheln
Bäume Streifen
Monde Blassen
Himmel Dunkeln
Stimmen Schweigen
und du weißt:

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