Archiv der Kategorie: Eigene Texte

Ich zerfalle

Ich zerfalle
und merke es nicht.
Jedes Stück
denkt und lebt für sich allein.

Ich bin immer anders
und kann mich nicht verstehen.
Wie kann ich da hoffen,
dass es ein anderer tut?

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Monologe mit Dir

Anfang Winter am Ende,
Spüre ich die Wellen Deiner Worte.
Mein Blick fällt,
Zu zählen die einsamen Stunden,
Von Dir bis hier.
Es heißt „für immer“,
Doch die Zeit dreht sich im Kreis.
Ich atme Deinen erinnerten Duft,
Und Liebe ist Angst vor Verlust.

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Getaggt mit , , ,

Menschenklappern

Die Augen hören,
Traumlos offen,
Menschenklappern
Wie von weit.

Durch Glas und Dunkel
Flimmern schattig,
Schallgestalten,
Tief verrauscht.

Sie werfen Lichter,
Klirren Worte,
Und ihre dunklen Glieder hallen
Nachtwärts ein und aus.

 

Getaggt mit ,

Kommt und Seht!

Ein schwarzer Fleck an der Wand,
Der dort nicht hingehört.
An einem Haus,
An der Straße.

Immer komme ich daran vorbei.
Der Fleck ist den ganzen Weg.
Bevor ich ihn sehe
Und noch danach.

Irgendwann
Hat man das Haus gestrichen.
Viele schwere Eimer,
Schwere weiße Farbe.

Das Haus war dann wie neu.
Wenn der Himmel blau war,
Hat die weiße Wand geleuchtet,
Im hellen Licht.

Dann habe ich gesehen,
Kam langsam
Durch die weiße Farbe,
Der schwarze Fleck zurück.

Man hat dann einen Busch gepflanzt.
Dicht an der Wand,
Vor dem schwarzen Fleck.
Der war dann versteckt.

Ich ging oft daran vorbei
An dem Haus und an dem Busch
Der wuchs schön und rund
Vor der weißen Wand.

Aber dann war der Sommer vorbei,
Da wurde es kalt.
Alle Blätter fielen.
Und der Fleck war wieder da.

 

Getaggt mit ,

Verlorene Worte

Nach all den Jahren ohne dich stehe ich noch immer ratlos vor meiner Erinnerung. Sie ist still geworden. Was bleibt sind ein paar vereinzelte Worte, vielleicht ein ganzer Satz. Dabei lag damals doch so viel Gewicht auf den Worten. Stundenlange Gespräche, über uns und unsere Zukunft, die nie war. Deine Worte sind verstummt und für immer verloren.
Doch du bist in Gedanken noch bei mir. Ich sehe dein Gesicht von der Seite. Dein gesenkter Blick, während du mit deinen Lippen lautlose Worte formst, bis du dann auf einmal zu mir aufsiehst, mir erst ins eine und dann ins andere Auge blickend. Deine leicht hochgezogene Augenbraue kündigt ein Lächeln an – und da ist es auch schon! Ganz leicht, und schüchtern, doch so ewigkeitsschwer.
Ich habe deine Stimme schon vor vielen Jahren verloren. Wie sie wohl klang?
Wir stehen auf einer Brücke und dein Atem steigt in einen kalten Wintermorgen.
Du hast mich einmal zum Bahnhof gebracht und ich habe gesagt, es läge an dir, was aus uns wird und du hast mich gefragt, was ich damit meinte. Ich weiss es nicht mehr. Doch wir sitzen noch immer im Auto, auf dem leeren Parkplatz und warten.
Ein Spaziergang durch einen Wald. Alles ist in ein warmes Licht getaucht. Wir lachen viel. Worüber? An einer Weggabelung bleiben wir stehen und umarmen uns. Ich rieche dein Haar. Jeder Wald riecht nun danach.
Wir sind in deiner alten Wohnung und streiten. Es wird laut und irgendwann laufe ich davon. Doch jetzt ist alles still. Ich streiche dir die Tränen aus dem Gesicht und halte dich in meinen leeren Händen.
Die Erinnerung lässt mich nicht los und ich versuche, sie in Worte zu fassen, obwohl es darauf doch gar nicht ankommt.

Getaggt mit ,

Gravitation

Noch einmal auf Kreisen der alten Gewalt,
Weg ohne Ränder, keine Rast und kein Halt.
So schlägst du deine stille Schlacht –
Lichtwende, Leere, Anbruch der Nacht.

Wo sich Horizonte schneiden,
und sich deine Blicke weiden,
da liegt dein Traum aus Flucht und Flug,
da ist die Zeit, die dich nicht trug.

Erhebe den Kopf und senke die Lider –
alles was war, bleibt und kommt wieder –
die Zeiten, die Weiten – sie sind hier,
denn du bist das Leben und der Traum ist in dir.

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1946

Im Keller steht ein Fahrrad
Das ist zu groß
In der Einfahrt liegen Ziegel
Staub weht im Wind
Die Hose trägt ein Loch
Mutter hat es versteckt
Unter einem Flicken
Steht sie am Fenster
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August Stramm – Krieg

Dichter: August Stramm
Gedicht: Krieg
Entstehungsjahr: 1914/15
Gedichtband: Tropfblut
Vertonung: Leitmotivation

Wehe wühlt
Harren starrt entsetzt
Kreißen schüttert
Bären spannt die Glieder
Die Stunde blutet
Frage hebt das Auge
Die Zeit gebärt
Erschöpfung
Jüngt
Der
Tod.

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Fading Colors

Fallen in water,
surrounded by fears.
The world behind glass,
no one sees your tears.

Can’t close your eyes,
it’s not what it seems.
A day and a night,
no one hears your screams.

Turn on the light,
for one last show.
The colors are fading,
where did they go?

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Am Ende der Straße

Meiner Mutter zum 70. Geburtstag

Am Ende des alten Dorfes
enden die Straßen im Nichts.
Eine Reihe schwacher Laternen,
dazwischen das Ende des Lichts.

Durch Brokstedt fahren die Züge
schneller als anderswo.
Im Juli schien zweimal die Sonne,
die Bauern ernten das Stroh.

Da drüben liegen die Toten,
gleich hinter dem lauten Tor.
Zwischen den spitzen Büschen,
Sieht ein hölzerner Jesus hervor.

Nun hängt er im Steinburger Regen,
Golgota war warm und hell.
Zwei Frauen haken die Gräber,
ich höre Hundegebell.

Ein grauer Himmel steht leise,
die meisten Menschen sind alt.
Es fallen die nassen Blätter,
und meine Hände sind kalt.

Zwei Augen auf einem Fahrrad
kommen schweigend auf mich zu.
Die Fenster spiegeln die Leere,
und irgendwo muht eine Kuh.

Ich taste mich langsam weiter,
ein toter Dichter weist den Weg.
Der Nebel wird immer stärker,
ein Auto parkt etwas schräg.

Die Mütter werden älter,
alle Kinder sagen adé.
Und kommen sie einmal wieder,
waten sie durch matschigen Schnee.

Am Ende der Straße der Anfang,
gleich hinter dem roten Haus.
Da ist die Wärme, die Sonne –
und ihr Licht geht niemals aus.

 

Getaggt mit , , , , , , , ,
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