Archiv der Kategorie: Eigene Texte

Verlorene Worte

Nach all den Jahren ohne dich stehe ich noch immer ratlos vor meiner Erinnerung. Sie ist still geworden. Was bleibt sind ein paar vereinzelte Worte, vielleicht ein ganzer Satz. Dabei lag damals doch so viel Gewicht auf den Worten. Stundenlange Gespräche, über uns und unsere Zukunft, die nie war. Deine Worte sind verstummt und für immer verloren.
Doch du bist in Gedanken noch bei mir. Ich sehe dein Gesicht von der Seite. Dein gesenkter Blick, während du mit deinen Lippen lautlose Worte formst, bis du dann auf einmal zu mir aufsiehst, mir erst ins eine und dann ins andere Auge blickend. Deine leicht hochgezogene Augenbraue kündigt ein Lächeln an – und da ist es auch schon! Ganz leicht, und schüchtern, doch so ewigkeitsschwer.
Ich habe deine Stimme schon vor vielen Jahren verloren. Wie sie wohl klang?
Wir stehen auf einer Brücke und dein Atem steigt in einen kalten Wintermorgen.
Du hast mich einmal zum Bahnhof gebracht und ich habe gesagt, es läge an dir, was aus uns wird und du hast mich gefragt, was ich damit meinte. Ich weiss es nicht mehr. Doch wir sitzen noch immer im Auto, auf dem leeren Parkplatz und warten.
Ein Spaziergang durch einen Wald. Alles ist in ein warmes Licht getaucht. Wir lachen viel. Worüber? An einer Weggabelung bleiben wir stehen und umarmen uns. Ich rieche dein Haar. Jeder Wald riecht nun danach.
Wir sind in deiner alten Wohnung und streiten. Es wird laut und irgendwann laufe ich davon. Doch jetzt ist alles still. Ich streiche dir die Tränen aus dem Gesicht und halte dich in meinen leeren Händen.
Die Erinnerung lässt mich nicht los und ich versuche, sie in Worte zu fassen, obwohl es darauf doch gar nicht ankommt.

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Gravitation

Noch einmal auf Kreisen der alten Gewalt,
Weg ohne Ränder, keine Rast und kein Halt.
So schlägst du deine stille Schlacht –
Lichtwende, Leere, Anbruch der Nacht.

Wo sich die Horizonte schneiden,
und sich deine Blicke weiden,
da liegt dein Traum aus Flucht und Flug,
da ist die Zeit, die dich nicht trug.

Erhebe den Kopf und senke die Lider –
alles was war, ist und kommt wieder –
die Zeiten, die Weiten – sie sind hier,
denn du bist das Leben und der Traum ist in dir.

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1946

Im Keller steht ein Fahrrad
Das ist zu groß
In der Einfahrt liegen Ziegel
Staub weht im Wind
Die Hose trägt ein Loch
Mutter hat es versteckt
Unter einem Flicken
Steht sie am Fenster
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August Stramm – Krieg

Dichter: August Stramm
Gedicht: Krieg
Entstehungsjahr: 1914/15
Gedichtband: Tropfblut
Vertonung: Leitmotivation

Wehe wühlt
Harren starrt entsetzt
Kreißen schüttert
Bären spannt die Glieder
Die Stunde blutet
Frage hebt das Auge
Die Zeit gebärt
Erschöpfung
Jüngt
Der
Tod.

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Fading Colors

Fallen in water,
surrounded by fears.
The world behind glass,
no one sees your tears.

Can’t close your eyes,
it’s not what it seems.
A day and a night,
no one hears your screams.

Turn on the light,
for one last show.
The colors are fading,
where did they go?

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Am Ende der Straße

Meiner Mutter zum 70. Geburtstag

Am Ende des alten Dorfes
enden die Straßen im Nichts.
Eine Reihe schwacher Laternen,
dazwischen das Ende des Lichts.

Durch Brokstedt fahren die Züge
schneller als anderswo.
Im Juli schien zweimal die Sonne,
die Bauern ernten das Stroh.

Da drüben liegen die Toten,
gleich hinter dem lauten Tor.
Zwischen den spitzen Büschen,
Sieht ein hölzerner Jesus hervor.

Nun hängt er im Steinburger Regen,
Golgota war warm und hell.
Zwei Frauen haken die Gräber,
ich höre Hundegebell.

Ein grauer Himmel steht leise,
die meisten Menschen sind alt.
Es fallen die nassen Blätter,
und meine Hände sind kalt.

Zwei Augen auf einem Fahrrad
kommen schweigend auf mich zu.
Die Fenster spiegeln die Leere,
und irgendwo muht eine Kuh.

Ich taste mich langsam weiter,
ein toter Dichter weist den Weg.
Der Nebel wird immer stärker,
ein Auto parkt etwas schräg.

Die Mütter werden älter,
alle Kinder sagen adé.
Und kommen sie einmal wieder,
waten sie durch matschigen Schnee.

Am Ende der Straße der Anfang,
gleich hinter dem roten Haus.
Da ist die Wärme, die Sonne –
und ihr Licht geht niemals aus.

 

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Dunkler Ort

Du suchst an dunklen Orten,
die das Leben längst vergaß,
die Einsamkeit zu finden,
die ein Toter einst besaß.

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Wege Risse

Wege Risse
Schritte Schleichen
Felder Rascheln
Bäume Streifen
Monde Blassen
Himmel Dunkeln
Stimmen Schweigen
und du weißt:

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Kaltklare Nacht

Was ich je träumte,
nichts ist mehr da,
alles ist heute,
wie es vor mir war.

Der Nebel ist fort,
ich bin erwacht.
Nun liegt sie vor mir,
die kaltklare Nacht.

Ein letztes Erinnern,
das Ich und das Du,
alles dreht zeitlos,
dem Ende sich zu.

Gedanken sind leise,
die Sterne sind weit,
der Himmel ist leer,
und ich bin bereit.

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Leitmotivation – Treehouse (2016)

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Schlaf ohne Traum

Ich bin ich,
Im Schlaf ohne Traum.

Ich bin nicht ich,
Bist du mit mir im Raum.

Schon mit mir allein,
Gerate ich ins Wanken.

Wunsch, Wechsel, Wahn –
Mein Ich kennt keine Schranken.

Jacobs Traum José de Ribera

José de Ribera – Jacobs Traum (1639)

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