Archiv für den Monat April 2017

Wilhelm Raabe

Die ewige Illusion, dass das Leben noch vor einem liege. Das Leben liegt immer hinter einem.

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Verlorene Worte

Nach all den Jahren ohne dich stehe ich noch immer ratlos vor meiner Erinnerung. Sie ist still geworden. Was bleibt sind ein paar vereinzelte Worte, vielleicht ein ganzer Satz. Dabei lag damals doch so viel Gewicht auf den Worten. Stundenlange Gespräche, über uns und unsere Zukunft, die nie war. Deine Worte sind verstummt und für immer verloren.
Doch du bist in Gedanken noch bei mir. Ich sehe dein Gesicht von der Seite. Dein gesenkter Blick, während du mit deinen Lippen lautlose Worte formst, bis du dann auf einmal zu mir aufsiehst, mir erst ins eine und dann ins andere Auge blickend. Deine leicht hochgezogene Augenbraue kündigt ein Lächeln an – und da ist es auch schon! Ganz leicht, und schüchtern, doch so ewigkeitsschwer.
Ich habe deine Stimme schon vor vielen Jahren verloren. Wie sie wohl klang?
Wir stehen auf einer Brücke und dein Atem steigt in einen kalten Wintermorgen.
Du hast mich einmal zum Bahnhof gebracht und ich habe gesagt, es läge an dir, was aus uns wird und du hast mich gefragt, was ich damit meinte. Ich weiss es nicht mehr. Doch wir sitzen noch immer im Auto, auf dem leeren Parkplatz und warten.
Ein Spaziergang durch einen Wald. Alles ist in ein warmes Licht getaucht. Wir lachen viel. Worüber? An einer Weggabelung bleiben wir stehen und umarmen uns. Ich rieche dein Haar. Jeder Wald riecht nun danach.
Wir sind in deiner alten Wohnung und streiten. Es wird laut und irgendwann laufe ich davon. Doch jetzt ist alles still. Ich streiche dir die Tränen aus dem Gesicht und halte dich in meinen leeren Händen.
Die Erinnerung lässt mich nicht los und ich versuche, sie in Worte zu fassen, obwohl es darauf doch gar nicht ankommt.

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