Mein Schmerz

Wie kann ich über den Schmerz schreiben, ohne das Wort „Schmerz“ zu verwenden? Und wo soll ich beginnen? Vielleicht erst ein positives Gegenbild entwerfen, das durch die Wahl der Vergangenheitsform schon darauf hindeutet, dass es nun vorbei ist. Oder ich beginne gleich mitten in der Misere und leite ein mit „Ich kann nicht mehr“, „Ich will nicht mehr“. Das wäre sehr direkt und hat den Vorteil, dass jeder gleich versteht, worum es geht. Anschließend führe ich den Leser durch einen „dunklen Tunnel“, der auch wörtlich so genannt werden will. Nicht vergessen sollte ich meine „Seele“, die sich hervorrangend mit klassischen Attributen wie „Angst“ oder „Qual“ kombinieren ließe. Möglicherweise „blutet“ diese „Seele“ sogar. Da ist auch niemand, der mir „die Hand reicht“ und mich aus dem „schwarzen, dunklen Nichts“ rettet, denn ich bin „einsam“ und „allein“. Es war aber auch noch nicht genug Blut im Text. Eine „blutende Träne“ oder eine „Träne aus Blut“ könnte mir über die Wange laufen. Ja! Das verrät jedem, wie traurig ich bin und wie groß mein Schmerz ist. Das aber bringt mich wieder auf meine eingangs gestellte Frage. Diese Frage ist mein Schmerz. Diese Frage ist mein Ende.

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